VON KORN ZUM BROT

 

Unser täglich Brot ist für den Menschen von Heute zur Selbstverständlichkeit geworden.

Man braucht nur noch zum Bäcker zu gehen und findet dort eine Fülle der verschiedensten Brotsorten. In vielen Fällen darüber hinaus noch Kuchen und Torten und Feingebäck. Und es ist selbstverständlich geworden, dass Brezeln und Brötchen frisch und ofenwarm auf den Frühstückstisch kommen.

vom Korn zum Brot

Das ist nicht immer so gewesen. Ursprünglich war es die Frau, die in der Familie das Brot zubereitete.

Sie war durch die Kinder an das Haus gebunden und hatte für die Nahrung Sorge zu tragen. In ländlichen Gebieten backen die Frauen auch heute noch - oder wieder - ihr Brot selbst. Die Backhäuser auf den Dörfern legen lebendiges Zeugnis dafür ab.

Auch im Eltinger Gemeindebackhaus, das 1846 errichtet wurde, wird heute noch Brot gebacken.

In alten Chroniken findet man Hinweise darauf, dass die Bäcker in Athen schon im V. Jahrhundert v. Chr. gut organisiert waren. Im alten Rom dagegen gab es zunächst nur Hausbäckereien, wo Korn meist von Sklaven zerkleinert und verbacken wurde.

Erst zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand auch dort die Bäckerzunft. Bei uns entwickelte sich das Bäckerhandwerk erst, als sich Städte bildeten und die Zünfte aufkamen, die in Deutschland im Mittelalter zu hohem Ansehen gelangten.

Nach einem auf den 1. Juli 1850 erstellten "Ortsgewerbe-Kataster" zählte man im Oberamt Leonberg 120 Bäcker mit 11 Gehilfen und Lehrlingen. Eine Zahl, die nur noch von Leinewebern, Schuhmachern, Maurern, Schneidern und Schreinern übertroffen wurde.

 

 

Das Korn bezogen die Bäcker meist von den Bauern, die im üblichen Dreifeldersystem die gewöhnlichen Getreidearten anbauten, "unter denen Dinkel und Hafer vortrefflich gedeihen", wie aus der Eltinger Ortschronik von 1852 zu entnehmen ist.

Dinkel ist eine kostbare Besonderheit unter den Getreidearten. Er taucht etwa in der Bronzezeit, also 1000 Jahre vor der Zeitenwende, im süddeutschen Raum auf und war die Grundlage für zahlreiche schwäbische Gebäcke und Mehlspeisen. Heute wird Dinkel nur von wenigen Bäckereien zu aromatischem Brot verarbeitet.

Eine Spezialität, die auch im Hause Marquart hergestellt wird. Leider wird Dinkel nur noch in wenigen Gebieten auf der Schwäbischen Alb und in der Schweiz angebaut.

vom Korn zum Brot

Die Getreidenahrung ist so alt wie die menschliche Geschichte. Vom Genuss der rohen Früchte und Gräser, über den Aufguss, der mit Kräutern und Gemüsen schmackhaft gemacht wurde, bis hin zur Suppe laufen die ersten Entwicklungsstufen.

Später wurde die Suppe eingedickt. Es entstand der Brei, der besser sättigt und größeren Nährwert besitzt. Bis weit ins Mittelalter hinein war z. B. Hirsebrei als Nahrungsmittel durchaus üblich.

Die nächste Entwicklungsstufe der Getreidenahrung war der Fladen, von dem schon im Alten Testament an verschiedenen Stellen berichtet wird. Aus dem flachen Fladen entstand dann unser heutiges Weizen- und Roggenbrot, das locker, porig und elastisch ist.